Gargoyles - Beseelte Geschöpfe aus Stein

Wasserspeier

Die magischen Wesen in Baukunst,
Legende, Literatur und Film


Der englischsprachige Begriff Gargoyle (Gargouille im Französischen) bezeichnet im Wortsinn ein architektonisches Element, nämlich einen Wasserspeier, und es ist abgeleitet vom Wort gurgeln. Um diese oft drachenartig oder dämonisch gestalteten Plastiken ranken sich jedoch viele Legenden: Sobald die Sonne untergegangen ist, wachen sie auf und entfesseln sich aus ihren steinernen Hüllen. Bei Sonnenaufgang verwandeln sie sich dann wieder in Statuen zurück.
Diese Legenden, die sich bereits vor Jahrhunderten um die Herkunft der Gargoyles gebildet haben, finden noch heute in der Literatur, in Film und Fernsehen, aber auch in Fantasyspielen ihren Niederschlag.

Gotisch
Wasserspeier sind an fast jeder gotischen Kathedrale, aber auch an kleineren Kirchen und weltlichen Bauten zu finden und haben die Funktion moderner Regenrinnen. Sie sollen das gesammelte Regenwasser so ableiten, dass es nicht in das Mauerwerk eindringen kann. Wasserspeier sind sehr oft figürlich gebildet und stellen meist phantastische, dämonenartige Tierformen dar. Die ersten Wasserspeier, die in den für die Gotik typischen phantasievollen Formen gestaltet sind, entstanden an der französischen Kathedrale von Lyon zwischen 1220 und 1230. Am bekanntesten sind die Chimären an der Westfassade von Notre-Dame (Paris). Diese wurden allerdings erst im 19. Jahrhundert dorthin versetzt. Die bizarren Tierformen der Früh- und Hochgotik wurden ab dem 13. Jahrhundert durch menschliche Gestalten abgelöst und verloren ab dem 18. Jahrhundert zunehmend ihre Funktion.
In der Vielfalt der Darstellungsformen lassen sich drei Motivgruppen ausmachen: Zunächst Tiere und Fabelwesen, später Menschen. Die beliebtesten Tierfiguren waren Hunde (treuer Begleiter, Wächter, Jäger, aber auch Verkörperung eines Dämons), Wölfe (Räuber, Nacht), Löwe (Macht), daneben Ziegenböcke, Widder, Stiere und viele mehr. Die herausragenden Motive bei den Fabelwesen waren dabei stets Drachen (Symbol des Teufels, Verführer), Greife (Symbol der Könige) und Faune.
Im Mittelalter galten Gargoyles als mit Magie behaftete Wesen und boten somit Schutz. Durch ihr dämonisches Aussehen hielten sie anderen Geistern und Dämonen einen Spiegel vor. So schafften sie es, Feinde alleine durch ihren Anblick in die Flucht zu schlagen. Daher gibt es oft auch noch heute steinerne Gargoyles als Skulpturen in Gärten: Sie schützen das Haus und dessen Bewohner mythisch vor Eindringlingen.

Mythologisch
In der Mythologie sind die Gargoyles eine uralte Spezies. Ihre enge Verwandtschaft mit den Drachen ist unverkennbar: Gargoyles werden meist als geflügelte und häufig auch noch dazu als gehörnte Wesen dargestellt. Sie sehen dämonisch aus: Sie besitzen tierähnliche Beine, etwa Hufe von Pferden oder Hinterläufe von Hunden. An ihren Vorderfüßen haben sie dreifingrige Krallen. Diese sind hervorragend dazu geeignet, steile Wände und glatte Mauerflächen zu erklimmen. Gargoyles sich zudem aufrecht gehend bewegen. Dank ihrer langen Schwänze halten sie problemlos das Gleichgewicht.
Trotz ihrer gewaltigen Schwingen können Gargoyles nicht fliegen, sondern lediglich durch die Luft gleiten. Sie gelten als hoch intelligent, aber auch als extrem scheu. Zudem sind sie sehr stark und äußerst tapfer und denen treu ergeben, welche sie trotz ihres dämonischen Aussehens akzeptieren.

Sagenhaft
Die älteste Sage zu der Herkunft der Bezeichnung Gargoyle bzw. Gargouille stammt aus der französischen Stadt Rouen. Dort soll sich um 520 n. Chr. ein schlangenartiger Drache aus dem Fluß Seine erhoben haben, welcher statt Feuer mächtige Wasserfontänen speien konnte. Daher wurde das Wesen Gargouille genannt (zu Deutsch: Gurgler). (...)

Daniel Bauerfeld

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