N A U T I L U S
Avatare
Durchbruch der digitalen Stars



Die Grenze zwischen Realität und virtueller Welt wird durch digitale Computerhelden wie Lara Croft oder die vollständig computergenerierten Filmheldin Aki Ross aus Final Fantasy immer mehr verwischt.
Ist Lara nun digital oder real oder etwa ein Cyborg? Halb Lara, halb Angelina Jolie? Oder der kleine Junge aus Spielbergs aktuellem Film A.I., der im Film einen Roboter verkörpert und in Wirklichkeit (aber nur im Film) lieber aus Fleisch und Blut wäre. Nicht zu vergessen: Der neue digitale Star aus dem computeranimierten Film Shrek. Die digitalen Stars bekommen mit dem Animated Feature nächstes Jahr sogar ihren eigenen Oscar verliehen. Digitaltroll Shrek hat beste Chancen auf den neuen Oscar. Ob er selbst erscheinen wird?

Der Begriff Avatar wird heute sehr vielfältig benutzt. Ursprünglich stammt der Begriff »avata« aus dem Indischen und bedeutet soviel wie Herkunft oder auch Herabkunft. Im Buddhismus sind Avatare göttliche Wesen, die zu den Menschen herabgestiegen sind, um unter ihnen zu leben. In den Computerbereich kam der Begriff Avatar 1980, als Programmierer des US-Militärs eine Bezeichnung für die menschlichen Wesen innerhalb ihrer Simulationspiele suchten. Bereits 1984 folgte mit Max Headroom der erste virtuelle Star-Avatar in einer Fernsehserie. Doch erst Mitte der Neunziger war die Computertechnologie soweit fortgeschritten, um endlich virtuelle Wesen mit menschlichen Zügen zu generieren.
Avatare sind damit computeranimierte Schöpfungen, die mehr oder weniger komplexe menschliche Charakteristika aufweisen. Der heute mit Abstand bekannteste Avatar ist Lara Croft, die von der Firma Core-Design zum Leben erweckt wurde. 1996 erschien sie erstmals in dem ersten von fünf Computerspielen der Reihe Tomb Raider. Darauf folgte eine gigantische Vermarktung der virtuellen Figur. Sie hatte alles: Fernseh- und Werbeauftritte, war als Gaststar bei der U2 PopMart World Tour und im Videoclip »Männer sind Schweine« der Band Ärzte, und es gibt eine eigene Zeitung namens Croft Times - und vieles mehr.
Tausende von Fanseiten im Internet widmen sich dem virtuellen Star, der in diesem Sommer durch Angelina Jolie im ersten Tomb Raider-Kinofilm zu Fleisch und Blut wurde. Sie ist der erste große Star-Avatar, aber es werden weitere folgen. Doch die werden es nicht leicht haben gegen diese selbstbewusste Männerphantasie.
Marc Höhne

Lara Croft


Max Headroom
Stars im Cyberspace

Im engeren Sinn sind Avatare digitalisierte Figuren, die im Internet eine eigene Persönlichkeit haben. Avatare agieren auch als Chatroboter - der Übergang ist fließend.
Von solchen Cyber-Figuren gibt es unzählige im Internet. Man kann sie selbst erschaffen, mit ihnen chatten. oder sie treten als Video-Moderatoren oder Popstar auf. So wie etwa der von Bernd Kolp 1997 entwickelte Popstar-Avatar e-Cyas, der eine CD veröffentlichte, Interviews gab und schon in Fernsehshows auftrat. Sogar im neuen Duden ist er vertreten, gleich mit zwei Abbildungen, wie er selbst stolz verrät (www.e-cyas.com).
Eine der ersten virtuellen Nachrichtensprecherinnen ist Ananova, eine von der britischen Agentur Press Association entwickelte Cyber-Figur.
Von 1996-97 lebte der Avatar Kyoko Date im Netz, welcher von der japanischen Visual Science Laboratory für eine Model Agentur entwickelt wurde. Auch sie anvancierte zum Pop Star und kam sogar in die Top Ten der japanischen Charts. Doch 1997 endete ihre steile Karriere, weil sie international nicht promoted wurde.

Weitere digitale Personen kennen wir aus der Werbung: Robert T-Online, Werbe-Avatar der Telekom, oder die Frau aus der Duplo-Werbung. Eigentlich sind diese künstlich erschaffenen Wesen auch hauptsächlich für Internet-Shops gedacht. Cellway Kommunikationsdienste, ein Service-Provider für Mobil- und Fernnetz, führt seine Online-Besucher mit Hilfe der Assistentin Cir@ durch seine Webseiten. Solche Avatare kosten zwischen 3.000 und 22.000 DM.
Und in vielen Chat-Rooms kann der Benutzer sich seinen eigenen Avatar zusammenstellen und danach mit ihm in virtuellen Räumen chatten wie etwa bei www.cycosmos.de

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft die Avatare stets als solche gekennzeichnet werden, damit nicht Millionen Fans einem digitalen Brad Pitt oder einer cybernetischen Jennifer Lopez verfallen.
Katja Engler

e-Cyas und Ananova


Cira
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