Geheimnisvolle Zeichen
Von Zaubertinten,
unsichtbaren Schriften
und verborgenen Botschaften
|
 |
REZEPT:
Mal andersherum:
Die verschwindende Tinte
Zutaten:
5 ml Wasser
2 Tropfen Ammoniakwasser (Salmiakgeist, verdünnt, ca. 10%)
10 Tropfen Phenolphthalein-Lösung (1%ig in Ethanol)
1 Spatelspitze Phenolphthalein-Pulver
Man fülle 5 ml (ungefähr 5 cm hoch) Wasser in ein Reagenzglas. Dazu gibt man, am besten mit einer Pipette, zwei Tropfen Ammoniakwasser (das auch Salmiakgeist heißt und in Drogerien als Glasreiniger verkauft wird). Hinzu kommen noch die 10 Tropfen Phenolphthalein und eine Spatelspitze voll Phenolphthalein-Pulver zur Farbverstärkung. Nun noch einmal kräftig schütteln - und fertig ist die Tinte.
Als nächstes gibt man mit einer alten Spritze (oder etwas Geeignetem) die fertige Tinte in eine alte ausgewaschene Tintenpatrone. Wenn man nun schreibt, trocknet die Tinte und verschwindet.
Man kann sich sogar einen speziellen Geheimtintenfüller bauen: Dazu benötigt man außer dem Reagenzglas mit der Tinte noch einen passenden durchbohrten Gummistopfen. In das Loch des Gummistopfens steckt man ein auf beiden Seiten spitz zulaufendes Glasröhrchen. Nun wirkt das ganze Gerät wie ein Füller mit großem Vorratsbehälter.
Ein netter Gag ist, die Tinte irgend jemandem über den Pulli oder übers Hemd zu schütten. Die Person wird sich sehr aufregen, aber ganz ohne Grund. Die Tinte verschwindet schon nach etwa 30-70 Sekunden.
Allerdings ist Vorsicht geboten! Man sollte die Tinte zuerst an einem alten Kleidungsstück ausprobieren - für den Fall, dass die Mischung eventuell nicht funktioniert.
Gefahrstoffe: Ammoniakwasser, Phenolphthalein-Lösung:
Nicht mit Haut in Verbindung bringen. |
Sehen heißt glauben! Soviel weiß jeder!
Und ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte! Doch obwohl derartige Binsenweisheiten Allgemeingut sein sollten (Harry Potter-Fans wissen das natürlich), wendet man sie zumindest im Bereich abenteuerlicher Hobbies nur selten an.
Im folgenden Artikel gibt es Anleitungen, um stilechte, geheime Botschaften für Freunde und Mitspieler selbst herzustellen. Der freundschaftliche Briefwechsel unter Hobby-Detektiven und -Agenten, die geheime Warnung auf der Einladung zur Zauberschulenfeier, die selbst kopierte, geheime Botschaft aus dem spannenden Roman - solche geheimnisvollen Schriftstücke kann jeder mit Hilfe dieser Anleitungen herstellen. Handouts werden diese materiellen »Beweisstücke« aus der Fantasy-Welt von Rollenspielern genannt. Und erfahrene Tisch- und LIVE-Rollenspielleiter, die um die phantasiefördernde Wirkung solcher Handouts wissen, verwenden oft viel Zeit, Mühe und Bastelarbeit darauf, derartige Beweise des Phantastischen eigenhändig zu erstellen.
Denn eine Botschaft, die ihre Informationen nicht sogleich preisgibt, ist viel spannender als ein simpler Brief: Spannende Rätselduelle lassen sich um Geheimnachrichten austragen, geschrieben mit Zaubertinte aus Drachenblut, die erst im magischen Licht einer Kerze aus dem Fett eines Gehenkten wieder sichtbar werden!
Am intensivsten wirken im Abenteuer- und Rollenspiel oft all jene Gegenstände, die einen Spieler nicht nur optisch über eine Situation (wie zum Beispiel die Darstellung von Gegnern durch Zinnminiaturen) informieren, sondern die tatsächlich direkt der Spielwelt selbst entsprungen zu sein scheinen.
Die vergilbte Schatzkarte des Piraten Rotbart mit realistischen Blut- und Brandflecken, das handschriftliche Edikt des Königs mit Wappen und Wachssiegel, der Fetzen von der Kutte eines Chaos-Kultisten oder eine Phiole mit leibhaftigem Zaubertrank: die sogenannten Handouts! Plötzlich halten die Spieler selbst Artefakte in den Händen, die eigentlich nur ihren Charakteren in der Spielwelt zugänglich sind. Und wenn sich in dem scheinbar realistisch gestalteten Schriftstück auch noch eine Geheimbotschaft verbirgt, werden die Freunde aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen - falls sie den verborgenen Text finden.
Vorbereitungen zur Unsichtbarkeit
Die folgenden Zeilen berichten, wie man Zeichen unsichtbar und wieder sichtbar macht oder sie zumindest so gut versteckt, dass sie dem Unbedarften zunächst verborgen bleiben. Doch ehe damit begonnen werden kann, sind einige Vorüberlegungen notwendig.
Je nach dem geschilderten Verfahren des Verbergens von Nachrichten ist das entstehende Schriftbild unterschiedlich scharf und damit die Informationsmenge, die man auf einem normalen Briefbogen unterbringen kann, unterschiedlich groß. Zu unterscheiden sind perfekte Verfahren, die Texte vom Umfang einer Buchseite bewältigen, eingeschränkt zu empfehlende Methoden, mit denen sich Kurzmeldungen (»Um 10 am Bach«) oder geheime Codeworte tarnen lassen, und schließlich Verfahrensweisen, die nicht mehr als ein bis zwei Zeichen verschleiern können.
Aber auch das kann nützlich sein, z.B. um weiterzugeben, auf welches Runenzeichen des Sarkophags ein Abenteurer drücken muss, um den Geheimmechanismus zum Öffnen der uralten Krypta zu aktivieren.
Weiterhin bleibt zu bedenken, ob die Entdecker solcher Botschaften selber bei der Anfertigung oder auch nur bei der Entzifferung der verborgenen Botschaft zugegen sein sollen. Denn alle verwendeten Methoden, die man leibhaftig miterlebt, müssen nicht nur funktionieren, sie müssen auch zur Epoche und der Welt des jeweiligen Spielhintergrunds passen. Computerprogramme in Mittelerde wären da ebenso fehl am Platze wie eine UV-Lampe in der Mantel & Degen-Welt der 7. See. Andererseits kann man Geheimtinten auch einsetzen, um Briefe und geheime Zauberformeln in der Hogwarts-Schule aus den Harry Potter-Romanen zu schreiben. Hier ist der Einsatz aller möglichen technischen Geräte absolut erlaubt und sinnvoll.
Schließlich muss angemerkt werden, dass der Begriff »unsichtbar« ein bisschen übertrieben ist: Viele klassische Zaubertinten sind nicht für modernes High-Tech-Papier gedacht, das gebleicht, oberflächenversiegelt und mit optischem Aufheller daherkommt. Wird ein solches Papier mit dünnflüssiger Geheimtinte durchweicht, ändert sich die Papierstruktur oft derart, dass der Schriftzug auch dann sichtbar bleibt, wenn die Tinte selbst unsichtbar ist - etwa einfach, weil sich das Papier wellt. Deshalb muss man schon bei der Papierwahl darauf achten, saugfähiges, nicht zu weißes Material zu erstehen, eher Öko- und Recycling-Papier zu verwenden als hochwertiges Laserprint-Papier, auf jeden Fall eventuelle mehrere Sorten für eine kleine Testreihe auszusuchen und - vor allen geheimnisvollen Operationen - jedes Blatt erst einmal gut mit Wasser in der Badewanne zu durchfeuchten und dann zu trocknen. Wer einen antiken Touch haben will, zerknüllt das feuchte Papier und bügelt es dann wieder glatt. Auch ein Sud aus Kaffee oder Tee läßt jedes moderne, gebleichte Papier zu einem alten Pergament werden. Und bearbeitet man anschließend noch die Kanten mit einer Büttenrandschere aus dem Bastelbedarf, wird selbst aus einem 08/15-Schreibmaschinenblatt scheinbar echtes, handgeschöpftes Büttenpapier.
Wer es edel liebt, schon erste Erfahrungen gesammelt hat und sein Sparschwein schlachtet, kann mit dessen Inhalt im Künstlerbedarf natürlich unter einer riesigen Auswahl von speziellen Bütten- und Zeichenpapieren wählen. Insbesondere Japan- und Aquarell-Papiere sind für die Schreibkunst mit Tinten und Tuschen, die Kalligraphie, von Haus aus am besten geeignet, und das gleiche gilt für französische Zeichenkartons, die es in allen möglichen Farben und Oberflächenstrukturen zu kaufen gibt.
Aber genauso edel kann oft ein simples, braunes oder graues Packpapier wirken. Hier heisst es, die Augen aufzuhalten und in diversen Kaufhäusern und Schreibwarenläden zu stöbern. Man kann dabei Packpapiere finden, die nur wenige Pfennige pro Blatt kosten aber in Aussehen und Oberfläche mehrere Mark teuren Edelpapieren kaum nachstehen. Packpapiere bieten drei Vorteile: Sie sind billig, man wird im Gegensatz zu hochweißen Schreibmaschineblättern auf ihnen unsere geheimen Tinten auf keinen Fall sehen können, und sie wirken immer stilecht!
Eine gedämpfte, etwas munkelige Beleuchtung beim späteren Enziffern der Geheimbotschaft kann trotzdem nicht schaden. Zum einem ist das Lesen einer sinistren Botschaft bei Kerzenschein eh stimmungsvoller, und zum anderen haben auch unsere Altvorderen ihre Geheimbotschaften sicher nicht unter einem 500-Watt-Halogenstrahler gelesen.
(...)
Den ganzen Text können Sie im Nautilus-Pocket der Ausgabe 12 lesen.
|