Der Kanadier Courtney Solomon ist Produzent und Regisseur des gerade erschienen ersten offiziellen Dungeons & Dragon-Films.
Bereits 1990 sicherte sich der damals 20-jährige von TSR die Filmrechte an D&D. NAUTILUS sprach mit Solomon anläßlich seines Besuchs in Hamburg am 4. April 2001.
Mr. Solomon, was war eigentlich Ihr erstes Rollenspielerlebnis?
Ich habe das erste Mal D&D gespielt, als ich fünf war: Mein großer Bruder spielte mit seinen Freunden. Sie ließen mich mitspielen, weil ich so lange quengelte, und nach wenigen Minuten wurde mein Charakter von einem Eulenbären aufgegessen. Als ich elf war, habe ich mit ein paar Freunden fünf Jahre lang gespielt. Dann kam die Highschool, und Mädchen wurden irgendwie interessanter. Und dann kam schon der Film, und von da ab hatte ich nicht mehr viel Zeit zum Spielen.
Aber ich kenne D&D sehr gut, ich habe mich durch jede Regeledition hindurchgekämpft (bis auf die 3. Ed.). Leider habe ich gerade drei aktuelle Filmprojekte, da bleibt nicht viel Zeit. Und für Rollenspiel benötigt man eben Zeit.
Als wir damals gespielt haben, sagten wir immer, es sei wie Star Wars oder Jäger des Verlorenen Schatzes. Deshalb wollte ich später den Film drehen. Ich wollte Betrachter und Drachen und viele andere Kreaturen zeigen. Ich wollte alles zeigen, aber das passt nicht in einen einzigen Film hinein, es fehlt immer an Zeit und Geld. Also haben wir uns auf Drachen konzentriert. Orks haben wir nicht aufgenommen, weil davon genug im Herrn der Ringe zu sehen sein werden - die Filme sollten gut unterscheidbar bleiben.
Für welches Publikum haben Sie den Film gedreht?
Wir haben den Film für jüngere Zuschauer zwischen sechs und 15 Jahren als Einführung in D&D gedreht. Die D&D-Spieler werden die Charakterklassen erkennen, und sie werden sehen, dass wir die Regeln des Spiels befolgt haben. Aber wir wollten ein breiteres Publikum. So können wir hoffentlich auch die übrigen zwei Teile der Trilogie fertigstellen. Da unser Publikum dann ebenfalls älter sein wird, können wir auch härtere Szenen zeigen.
Was hat sich zwischen dem ersten Drehbuchentwurf und der Fertigstellung des Films verändert?
Im ersten Entwurf war das unterirdische Gewölbe, aus dem Ridley den Zauberstab birgt, wirklich riesig. Wie aus dem Bilderbuch des Spielleiters, es waren Aaskriecher, Riesenspinnen und viele Orks eingeplant. Aber es stellte sich als zu aufwendig und zu teuer heraus. Mir brach das Herz, denn diese Anlage war wirklich mein persönlicher Liebling gewesen, und ich wusste, wie sehr gerade die D&D-Spieler diese Szene geschätzt hätten. Dafür hatten wir natürlich das Labyrinth, aber das liegt halt mitten im Unterschlupf der Diebesgilde, quasi ein Mini-Dungeon.
Planen Sie weitere Projekte mit TSR?
Wir arbeiten an einer D&D-Fernsehserie. Darauf freue ich mich sehr. Die Serie spielt in einer anderen Welt als der Film, aber es wird ein paar Szenen geben, wo die Hauptdarsteller der Serie Charaktere aus dem Film sehen, die gerade durch ihre Welt reisen. Möglicherweise zeigen wir sogar eine kleine Szene aus dem zweiten Film. Die Fernsehserie wird natürlich in kürzeren Episoden erzählt, so dass am Ende einer Folge ein vorläufiges Ende oder wenigstens eine spannende Situation steht, die dann in der nächsten Folge aufgelöst wird. In der Fernsehserie werden wir gleich mehrere berühmte D&D-Welten präsentieren: Krynn (Drachenlanze), Forgotten Realms und andere Publikumslieblinge. Wir werden auch unsere eigene Welt erschaffen, aus der die wichtigsten Charaktere stammen. Und, das verspreche ich: Es wird keinen Xena- oder Herkules-Unfug geben!
Erzählen Sie ein wenig über den zweiten Film!
Im zweiten Film werden wir mehrere Geheimnisse offenbaren - und zwar in einer anderen Welt! Izmir ist immer noch die Heimatwelt, aber die Charaktere werden Izmir verlassen. Sie werden herausfinden, wer hinter Profion steht. Sie werden die wahre Charakterklasse von Ridley entdecken und warum er den Zauberstab benutzen konnte.
Es gibt im ersten Teil ein paar weitere Szenen, die wir leider nur auf der DVD zeigen konnten: Als Ridley im Elfenwald geheilt wird, träumt er von der Geburt eines Drachen - er sieht, wie das Ei zerbricht, der Drache ausschlüpft, und dann sieht er durch die Augen des jungen Goldenen Drachen, wie sich das Land um ihn herum erstreckt. Und er sieht, woher die Magie der Goldenen Drachen stammt. Aber so ist es eben, wenn man einen Film dreht: Es fehlt immer an Zeit und Geld, vor allem, wenn man nicht mit einer großen Produktionsfirma zusammenarbeitet.
Werden Sie den zweiten Film wieder in Prag drehen?
Ein Teil des Films wurde in Prag gedreht, nämlich die Innenszenen in Sumdall, der Hauptstadt. In Prag gibt es überreich ausgestattete Räumlichkeiten, die dem Inneren der magisch erbauten Türme Sumdalls entsprechen. Dafür gab es auch Probleme, denn die Statisten hatten keinerlei Filmerfahrung, am ersten Tag einer Szene mit 300 Statisten hatten wir ständig Probleme, weil irgend jemand immer mit einer Kamera oder einem Hauptdarsteller zusammenstieß.
Im zweiten Film möchten wir andere Landstriche erforschen: Am spektakulärsten wird eine lebendige Zwergenstadt innerhalb eines Gebirges, die aus dem Stein gemeißelt ist. Als wir uns andere europäische Orte außer Prag anschauten, sahen wir die schönsten Gebäude als Ruinen. Das werden wir im zweiten Teil ausnutzen, wo die Geschichte des großen Krieges erzählt wird, in dem die Magier die Kleriker ausgerottet haben. (...)
Das Interview führte NAUTILUS-Redakteur Lars Schiele
Das vollständige Interview können Sie in der Nautilus 12 lesen.
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Courtney Solomon
Courtney Solomon kam 1970 in Toronto (Kanada) zur Welt. Da seine Mutter als Produktionskoordinatorin arbeitete, wuchs er praktisch zwischen Filmsets auf. Im Alter von 20 Jahre gründetet er Sweetpea Entertainment, seine eigene Produktionsfirma, und erwarb kurz darauf eine Option auf die Filmrechte von D&D. Neben der Verfilmung von Gen 13 (siehe Interview) sind auch The Bell Witch und Puppetland als Filmstoffe in Vorbereitung. |