N A U T I L U S
»Mythen sind viel mehr als putzige Geschichten, die sich ein paar Käuze am Lagerfeuer erzählt haben.«


Interview mit Kai Meyer



Der Name Kai Meyer ist aus dem Angebot phantastischer Literatur nicht mehr weg zu denken. Stetig kommen neue Romane hinzu, in diesem Bücherherbst etwa aktuell Das Haus des Daedalus. Zudem ist der Autor massgeblich an der Entwicklung des neuen Rollenspiels Engel aus dem Verlag Feder & Schwert beteiligt.

Kai Meyer


In Lübeck 1969 geboren, verlief der Lebenslauf des Autoren bis zum Abitur noch »ganz normal«. Es schlossen sich ein paar Semester Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Philosophie und Germanistik an. Die Gelegenheit, Volontär bei einer Tageszeitung zu werden, ergriff er sofort. Später war er dort fester Redakteur. Was zunächst parallel lief, war mit Erscheinen des vierten Buches Der Rattenzauber 1995 beschlossene Sache: Seit jener Zeit arbeitet Kai Meyer als selbständiger Schriftsteller, Drehbuchschreiber und Comic-Autor.

Kai Meyer ist am 19. und 20. Mai 2001
LIVE in Hamburg

Kurz vor der Buchmesse ergab sich für Nautilus-Mitarbeiter Rainer Scheer die Gelegenheit, Kai Meyer um ein Interview zu bitten.

Nautilus: Banal, und wahrscheinlich oft gefragt. Wie wird man Autor?

Meyer: Wie man Autor wird? Soweit ist es einfach. Man setzt ein Wort hinter das andere. Man schreibt. Jeder ist Autor, der mit einer gewissen Disziplin etwas aufschreibt, ganz gleich, ob pro Tag ein Satz oder zehn Seiten dabei herausspringen. Die Kunst ist nicht das Schreiben, sondern das Erzählen - an diesem Punkt wird der Autor zu einer Art Schamane, der in eine fremde Welt eintaucht, zurückkehrt und anderen davon berichtet.

Nautilus: Was war Ihre erste Veröffentlichung?

Meyer: Während des Studiums habe ich ein paar Heftromane geschrieben. Das erste »echte« Buch war ein »True Crime Roman« für Bastei Lübbe: Der Kreuzworträtselmörder. Ich hatte damals gerade mein Volontariat in Halle begonnen, in den neuen Bundesländern. Dort erzählte mir eine Kollegin vom Fall eines kleinen Jungen, der in einem dieser Plattenbaughettos ermordet worden war. Seine Leiche wurde in einem Koffer voller ausgefüllter Kreuzworträtsel gefunden. Die Sache lag damals rund zehn Jahre zurück und hatte mittlerweile den Status einer echten »Urban Legend«, einschliesslich aller Überhöhungen und Spekulationen.
Ich habe daraufhin ein halbes Jahr lang Interviews mit den Beteiligten geführt, mit den Eltern des Kindes, mit dem Mörder und seiner Freundin, mit einem halben Dutzend Polizisten. Daraus wurde eine Art Tatsachenroman, der sich erstaunlich gut verkaufte. Bastei bot mir daraufhin an, etwas Ähnliches noch einmal zu machen, aber ich habe dankend abgelehnt. Damals verlor ich bereits langsam die Lust am Journalismus, ich wollte eigene Geschichten erzählen. Mein Lektor gab mir dann die Chance, mit Schweigenetz mein erstes fiktionales Buch zu schreiben.

Nautilus: Auffallend sind bei Durchsicht Ihrer bisherigen Romane die Titel Die Geisterseher und Die Winterprinzessin, in denen Sie mit den Brüder Grimm real existierende Figuren in einem fiktiven Zusammenhang agieren zu lassen. Haben Sie eine besondere Beziehung zu den Brüdern Grimm? Oder sind sie Märchenfan?

Meyer: Ich verstehe mich selbst vor allem als Erzähler, als Nachfolger der alten Märchen- und Mythenerzähler. Die Brüder Grimm sind dahingehend Vorbilder, nicht stilistisch, aber doch in ihrem Umgang mit den alten Legenden. Ich beschäftige mich seit langem recht intensiv mit Mythenforschung, mit Wissenschaftlern wie Mircea Eliade und Joseph Campbell. Meine Geschichten kreisen oft versteckt um die Suche nach dem sogenannten Monomythos, der Urgeschichte, auf die alle anderen zurückgehen - so es sie überhaupt je gegeben hat. Mythen sind viel mehr als putzige Geschichten, die sich ein paar Käuze am Lagerfeuer erzählt haben. Sie sind, auch heute noch, die Grundlagen unserer Kultur, unseres individuellen Verhaltens, auch wenn viele von uns das gar nicht wahrnehmen.
Meine Bücher folgen oft den alten Strukturen, dem klassischen Weg des Helden, die Suche nach dem Göttlichen, dem Heiligen. Die Geisterseher und Die Winterprinzessin, meine beiden Bücher um die Brüder Grimm, zeigen dies nur ein wenig deutlicher als einige der anderen Romane.

Nautilus: Es scheint, als ob Sie in Ihren Romanen historische Themen und Bezüge lieben. Worin besteht hier der besondere Reiz?

Meyer: Reine Historie interessiert mich nicht besonders. Geschichte wird für mich dann interessant, wenn sie beginnt, mit dem Imaginären zu verschmelzen. Mit Gebieten wie dem des Okkultismus, der Phantastik, dem Mythos. Wenn aus der Historie etwas Neues entsteht, neue Bilder und Figuren. Mein neues Buch Das Haus des Daedalus spielt im Rom der Gegenwart, ist aber durchsetzt mit Bezügen auf Geschichte und Mythos - und zwar zu gleichen Teilen. Viele Leser werden das gar nicht explizit wahrnehmen, weil sich in unser aller Köpfen die Historie längst mit der Imagination verbunden hat. Für die meisten Menschen gehören Drachen doch ebenso zum Mittelalter wie die Kreuzzüge, nicht als reale Wesen, aber als Bilder, die fest im Hirn verankert sind. Wir Erzähler leben von diesen Bildern in den Köpfen der Leser. Die Kunst besteht darin, die richtigen Bilder zum richtigen Zeitpunkt zu reaktivieren - daraus entstehen Geschichten.

Nautilus: Bleiben wir bei Ihrem aktuellen Roman Das Haus des Daedalus, der soeben erschienen ist. Worum geht es?

Meyer: Das Haus des Daedalus ist die Geschichte zweier Menschen, die in Rom auf eine unbekannte Druckplatte des Kupferstechers Piranesi stossen. Sie gehört zu einem Zyklus, der »Carceri«, phantastischen Kerkerlandschaften von gigantischem Ausmassen. Der Fund führt die beiden schliesslich zum Haus des Daedalus, einem Ort tief unter Rom gelegen, der womöglich vom legendären Baumeister Daedalus persönlich erbaut worden ist, dem Architekten des Minotaurus-Labyrinths auf Kreta. Das versiegelte Tor zum Haus des Daedalus liegt ausgerechnet im Vatikan, an der Stelle also, an der sich fast ein Jahrtausend vor Christus ein riesiger Friedhof der Etrusker befunden hat. Die Kirche hat ihre eigene Auslegung dieser unterirdischen Anlage. Sie glaubt, das Haus sei die Hölle selbst, und für alle Beteiligten stellt sich die Frage: Hat der Vatikan recht mit seiner Theorie?

Nautilus: Diese Frage lassen wir an dieser Stelle selbstverständlich offen ... Ihre Romane haben in vielen Passagen starke Bilder, die sich ein Leser auch ausgesprochen gut als Film vorstellen kann. Dies führt zwangsläufig zu der Frage, ob es Pläne gibt, einen oder mehrere Ihrer Romane zu verfilmen?

Meyer: Mein Roman Hex ist nach wie vor unter der Option der Columbia-TriStar, und Der Rattenzauber wird von mir derzeit für das Fernsehen adaptiert. Claude Chabrol wollte einmal Die Geisterseher verfilmen. Leider hat sich dies aber zerschlagen.

Nautilus: Sie sagen »adaptieren« ... Sie haben auch schon Drehbücher verfasst?

Meyer: Marc Conrad, der ehemalige Programmchef von RTL, rief mich eines Tages an und fragte, ob ich nicht Interesse hätte, ein Drehbuch für seinen Sender zu schreiben. Er war unter anderem an Hex interessiert, das zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben war. Unabhängig davon wollte ein freier Produzent mit mir arbeiten, und ich schlug beiden eine Geschichte vor, die schliesslich zu Schrei - denn ich werde dich töten wurde. Der Titel ist natürlich eine Zumutung, aber so etwas passiert, wenn man sich mit dem Fernsehen einlässt.

Nautilus: Der Film ist sehr erfolgreich gewesen. Wie beurteilen Sie Insel der Angst?

Meyer: Insel der Angst, die Fortsetzung von Schrei ..., ist wirklich sehr, sehr schön geworden. Der erste Teil war sehr klaustrophobisch, er spielte ja zum grossen Teil in den Korridoren des Schlosses, das für den Film als Schule ausstaffiert wurde. Der zweite Teil dagegen wurde in der Bretagne gedreht, wir befinden uns lange Zeit im Freien, auf schroffen Klippen, auf den Zinnen und Türmen einer alten Festung, in einem Moor und auf einem Berg, dessen Felsen vor hundert Jahren von einem verrückten Bildhauer zu Dämonenfratzen umgearbeitet wurden.
So eine Kulisse ist eigentlich unbezahlbar, ein echter Glücksfall. Dann ist die Geschichte selbst sehr viel emotionaler, wir sind näher an den Hauptfiguren. Zudem ist das Ganze im Grunde eine klassische Gespenstergeschichte über den Geist einer Nonne, der in einem Sanatorium umgeht. Bei RTL sind alle völlig euphorisch. Der Regisseur Robert Sigl ist wirklich unglaublich, er hat aus einem recht schmalen Budget einen Film herausgeholt, der aussieht, als habe er das Vierfache gekostet.

Nautilus: Waren Sie bei den Dreharbeiten in der Bretagne?

Meyer: Ich war eine knappe Woche in der Bretagne und habe diverse Szenen auf die Drehorte hin umgeschrieben. Das gesamte Finale wurde sicher vier- bis fünfmal umgekrempelt, von einem alten Bootshaus auf die Zinnen einer Festung und schliesslich in eine gotische Kapelle verlegt. Aber auch das gehört dazu, und ich denke, dass die Entscheidung zum Besten des Films war. Robert hat sich eine Menge Gedanken darüber gemacht, hat mich gefragt, was ich von seinen Ideen halte, und er hatte tatsächlich in jedem Punkt recht. Der Showdown ist wirklich sehr hübsch geworden, sehr atmosphärisch.
Ansonsten habe ich in der Bretagne tagsüber mit dem Laptop am Meer gesessen und an einem Roman geschrieben und die Nacht am Set verbracht, in unterirdischen Katakomben zwischen panischen Schauspielerinnen und einer mordenden Nonne.

Nautilus: Wann kommt der Film in das TV-Programm?

Meyer: Voraussichtlich im Frühjahr 2001. Möglicherweise läuft er vorher auf einem Festival in Amsterdam.

Nautilus: Gibt es weitere Drehbuchprojekte?

Meyer: Sicher, ich arbeite, wie schon gesagt, gerade an dem Drehbuch zu Der Rattenzauber. Im nächsten Jahr folgt voraussichtlich ein weiterer Horrorfilm.

Nautilus: Um in der Filmsprache zu reden: »Cut!« Scharfer Schnitt und Themenwechsel: Sind Sie Rollenspieler?

Meyer: Als Teenager habe ich oft Das Schwarze Auge und Cthulhu gespielt, in den letzten Jahren sehr sporadisch Midgard.

Nautilus: Erzählen Sie bitte etwas über Ihre Zusammenarbeit mit Feder & Schwert. Was darf erwartet werden?

Meyer: Das Spiel heisst Engel und unterscheidet sich, was Konzeption und Spielwelt angeht, sehr von anderen Rollenspielen. Oliver Hoffmann und Oliver Graute haben mir Ende 1999 vorgeschlagen, gemeinsam mit Ihnen an diesem Konzept zu arbeiten. Die beiden hatten eine interessante Grundidee, eine sehr professionelle Einstellung und sind dazu noch nette Menschen, mit denen die Zusammenarbeit Spass macht. Durch ihr langjähriges Lizenzgeschäft mit White Wolf verfügen sie zudem über die nötige Erfahrung, um ein solches Projekt durchzusetzen. Über mich kam der Kontakt zu Dieter Jüdt zustande, einem Graphiker und Comic-Zeichner, der bereits zwei meiner Bücher illustriert hatte. Dieter ist, gemeinsam mit Oliver Graute, für die optische Umsetzung zuständig.
Im ersten Quartal 2001 erscheint zuerst als Hardcover ein Comic, das im Engel-Universum spielt. Das Manuskript stammt von mir, Dieter Jüdt sitzt gerade an den Zeichnungen. Wir wollten seit Jahren zusammen an einen Comic arbeiten, und Engel hat uns endlich die Möglichkeit dazu gegeben. Anschliessend erscheint ein Poster, dann der erste Engel-Roman von Oliver Hoffmann und schliesslich, Mitte 2001, das eigentliche Regelwerk.

Nautilus: Romane, Drehbücher, Comicszenario und Regelwerk ... Das klingt interessant und vielschichtig. Wollen Sie weiterhin mehrgleisig fahren, oder wird es in Zukunft konkrete Schwerpunkte in der Autorenarbeit geben?

Meyer: Mein Schwerpunkt ist und bleibt die Arbeit an meinen Romanen. Die Drehbücher und die Arbeit an Engel laufen nebenher. Mein Ziel ist es, meine Geschichten in allen Medien zu erzählen, ganz gleich, ob als Roman, Film. Comic oder Spiel. Trotzdem haben die Bücher Vorrang, an ihnen arbeite ich ganz allein, das ist hundertprozentig meine Version. Man darf dabei nie vergessen, dass die Arbeit eines Schriftstellers eine recht einsame Angelegenheit ist - gerade deshalb macht es mir solchen Spass, immer wieder mit anderen Künstlern und Filmemachern zusammen zu arbeiten. Kreativität kann etwas sehr Spirituelles sein, und das mit anderen zu teilen, ist immer eine interessante Erfahrung.

Nautilus: Abschliessende Frage: Auch wenn gerade ein Roman erschienen ist - was wartet in der Schublade des Kai Meyer darauf, das Licht zu erblicken?

Meyer: Ich habe gerade die Arbeit am ersten Band einer Trilogie abgeschlossen, die ab 2001 erscheinen wird. Der Titel des ersten Romans ist Die fliessende Königin. Er spielt im Venedig des 19. Jahrhunderts, das sich ein wenig vom Venedig, wie wir es kennen, unterscheidet: Es ist ein Ort, an dem Meerjungfrauen als Sklavinnen missbraucht werden, die Stadtgarde auf Löwen aus Stein reitet und ein zweites Venedig, vielleicht unseres, in den Spiegelungen der Häuser auf dem Wasser existiert. Ausserdem wird die Stadt von den Armeen des wiederauferstandenen Pharaos belagert, der an der Spitze des Ägyptischen Imperiums die Welt unterjocht hat. Merle, ein vierzehnjähriges Mädchen, wird Zeuge, wie einige Verräter den Schutzgeist Venedigs, die Fliessende Königin, an die Ägypter ausliefern wollen. Es gelingt ihr, die Königin zu retten, ohne zu wissen, ob diese nun ein Wesen, eine Kraft oder gar ein Phantasiegespinst ist. Auf einem fliegenden Löwen aus Obidian muss Merle aus Venedig fliehen und versuchen, Verbündete im Kampf gegen den Pharao zu finden. Allerdings hat sie nur zwei Alternativen: Das unabhängige Zarenreich, das von Baba Jaga beschützt wird, oder die Hölle, die von der National Geographic Society als realer Ort im Inneren der Erde lokalisiert wurde ...
Das Ganze erscheint als Jugendbuch, obwohl es sich - im Gegensatz zu meiner Sieben Siegel-Reihe - nicht allzu sehr von meinen übrigen Romanen unterscheidet. Es ähnelt vielleicht am ehesten Der Schattenesser. Ich habe grossen Wert darauf gelegt, dass es ein Buch für Kinder und Erwachsene wird.
Ab November beginne ich mit der Arbeit an der Fortsetzung von Die Alchimistin, die im Herbst 2001 wieder bei Heyne als Hardcover erscheinen wird. Die Bücher erzählen die Geschichte der Alchimisten-Familie Institoris zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Darauf freue ich mich sehr. Ich habe immer an den Hauptfiguren von Die Alchimisten gehangen, und jetzt ist endlich der Zeitpunkt gekommen, ihnen wieder einen Besuch abzustatten. Das wird spannend, auch für mich.

Nautilus: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Rainer Scheer

Das Haus des Daedalus

Vatikan im Brennpunkt

Der Ruf nach Rom, dem der Kunstexperte Jupiter folgt, ist eher geschäftlich-alltäglicher Natur: eine Bekannte bittet ihn, einen Kunstgegenstand zu bewerten. Coralina, selbst Restaurateurin, ist bei ihren Arbeiten neben Originalradierungen auch auf eine Schale gestossen, die sie unbedingt veräussern will, um damit Schulden zu tilgen. Das Hinzuziehen von Babio, einem Kunsthändler vor Ort, kostet diesen das Leben. Und er soll nicht der einzige Tote bleiben. Denn Coralina hat noch mehr gefunden: eine Tonscherbe, hinter der plötzlich alle Welt herzujagen scheint, vor allem Männer aus dem Vatikan.
Das Haus des Daedalus ist kein politischer Vatikanthriller, obgleich er dort in breiten Passagen spielt. Zwar sind einige Abläufe durchaus bekannt, manche Entwicklungen vorhersehbar, doch geht dies nirgendwo zu Lasten des hohen Unterhaltungswertes, den der Leser hier findet. Auch das geschickte, anfängliche Zurückgreifen auf eine Videoaufzeichnung, die ein auf der Flucht befindlicher Mönch von seinem sterbenden Bruder erhalten hat, ist ein Fingerzeig auf das, was noch kommen wird. Dazu eine geheimnisvolle Person im Rollstuhl, brutale Schergen einer finsteren Macht, ein auffallender Mann von zwergenhaften Wuchs, ja, hier werden ganz bewusst Genre-Klischees bedient, doch stimmt die Mixtur in jedem Moment des Romans.
Ein rätselhaftes Puzzle, das Ausnutzen real bestehender Erklärungslücken zu Bauten oder historischen Gegebenheiten, die nie wieder hinterfragt worden sind, genau das ist der Stoff, aus dem auch Adventure Games für den Computer gestrickt sind. Und so üben gerade jene Szenen in Gewölben und Katakomben einen besonderen Reiz aus, schaffen die gekonnt inszenierte Atmosphäre.

Das Haus des Daedalus ist überaus routiniert entwickelt, mit vielen kleinen Seitenhieben auf Bekanntes. Kai Meyer verknüpft Sagenwelt und Historie, mischt Elemente von Fantasy und Mystery zu einem aufregenden, jederzeit atemlos voranpeitschenden Thriller.

Rainer Scheer
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