Harry Potter
Es war einmal - ein ganz normaler Junge
Kennen Sie eigentlich Harry Potter? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit, denn der kleine Junge, Lehrling einer Zauberschule, hat sich zu einer regelrechten Ikone unserer Tage entwickelt. Und dies bei Kindern wie bei Eltern!
Er ist so bekannt wie ein Pop-Star, er gewinnt jedermannes Herzen im Sturm, und seine Abenteuer sind Garant für märchenhafte Fantasy.
Und das ist schon wirklich eine Besonderheit, denn eigentlich ist Harry die Titelfigur einer Kinderbuchreihe, und Kinderbücher haben es seit jeher schwer, akzeptiert zu werden. Im Augenblick sind alle bislang erschienen drei Romane unter den ersten sechs Büchern der »Spiegel«-Bestseller-Liste zu finden, auf den Plätzen Eins, Drei und Sechs. Auf Amerikas wichtigster Liste, der »New York Times«-Bestseller-Liste, belegten sie sogar die vorderen drei Plätze! Kein Wunder, daß sich sofort einige Verleger zu Wort meldeten, die forderten, Bücher für Kinder nicht auf den Bestsellerlisten zu berücksichtigen. Natürlich ist das gerade in diesem Fall völliger Unsinn. Denn Harry erfreut sich nicht nur bei Kindern großer Beliebtheit. Gerade auch bei den Erwachsenen haben sich die Bücher der Britin Joanne K. Rowling als wahre Kultwerke etabliert. Es gibt die Bücher der Autorin Joanne K. Rowling mittlerweile bereits mit einem neutralen Cover in einer speziellen Erwachsenen-Edition - damit man in der U-Bahn keine schrägen Blicke erntet.
Ein Held wie du und ich
Der bebrillte Harry Potter, eigentlich ein ganz normaler Junge wie so viele Leser auch, ist der Held der Romanreihe. Er lebt irgendwo in der Nähe Londons bei spießigen Stiefeltern, die ihn herumschubsen und in einem Kleiderschrank schlafen lassen. Darüber hinaus macht ihm noch ein fetter, dummer Stiefbruder das Leben schwer. Überraschend kommt dann ein Brief an seinem elften Geburtstag, der ihn darüber aufklärt, daß er magisch begabt sei und eine Ausbildung an der »Hogwarts Schule für Magie« vor sich hat! Von diesem Moment an krempelt sich Harrys Leben total um, denn kaum etwas ist, wie es vorher war. Harry beginnt an der Schule ein komplett neues Leben. Er lässt alles, was ihn in der ignoranten Realität der Nicht-Magier (»Muggel« genannt) aufregt, zurück - nicht, daß es ihm schwerfallen würde.
Die Magier und Hexen dieser Welt leben nach eigenen Gesetzen vor unseren Augen verborgen. In ihrer Welt gibt es andere Speisen, andere Transportmittel, anderes Geld, eigene Einkaufszentren, Monster, Fabelwesen und fliegende Besen. Magier verwenden auch keine Handys, hier wird noch stilvoll mittels abgerichteter Eulen kommuniziert. Und mit dieser Welt wird der junge Harry auf einmal konfrontiert.
Freund & Feind
An der Zauberschule findet Harry Freunde und Widersacher. Seine engsten Mitstreiter sind Ron Weasley, ein sturer aber treuer Rotschopf aus einer großen und chaotischen Magierfamilie, und Hermine Granger, eine Streberin und beste Schülerin ihres Jahres, die mit den vielen Regelverletzungen durch Harry und Ron so ihre Probleme hat. Aber es gibt auch Widersacher: Der fiese Draco Malfoy aus einer alten Familie der Schwarzmagier macht Harry und seinen Freunden das Leben schwer.
Neben den ganz normalen Problemen eines heranwachsenden Schülers, wie Mädchen und Prüfungen, stolpert der neugierige Harry immer wieder mitten in gefährliche Abenteuer hinein, die nicht nur sein Leben, sondern auch den Fortbestand der Schule, wenn nicht der ganzen Welt, gefährden. Denn Harrys Schicksal ist eng verbunden mit dem eines oberbösen Überschurkens, des furchteinflößenden Magiers »Voldemort« - Entschuldigung: »Der, der nicht genannt werden darf«! Als Baby besiegte ihn Harry auf bislang nicht vollständig geklärte Weise und raubte ihm viele seiner Kräfte. Dies kostete allerdings seinen wahren, magischen Eltern das Leben, verursachte ihm eine blitzförmige Narbe auf der Stirn und machte ihn, ohne daß er es recht wußte, zu einer Berühmtheit in den Kreisen der Hexen und Zauberer. Doch der entkörperte Voldemort kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. So versucht er, sich an Harry zu rächen und seine alte Machtposition und Fleischlichkeit wieder zurückzuerlangen.
Mit den Erwachsenen hat es in Harrys Welt eh etwas Besonderes auf sich. Meist sind es Schurken wie Voldemort, oder strenge, inkompetente und unfaire Lehrer. Aber es gibt auch nette und freundliche Gestalten, wie den hünenhaften Wildhüter Hagrid oder den weisen und mächtigen Schulleiter Dumbledore. Typisch für Kinder in Harrys Alter wenden diese sich mit ihren Problemen nicht etwa an die Erwachsenen, sondern versuchen alles selber irgendwie in den Griff zu bekommen. Natürlich klappt das nicht immer, und mehr als nur einmal stehen die Kinder vor Strafarbeiten oder kurz vor einem Verweis von der Schule.
Ansonsten ist die Welt Harrys angefüllt von zahllosen Geheimnissen und Mysterien, von Geistern, Monstern und Fabelwesen. Sie ist faszinierend detailliert, humorvoll - und es macht einfach Spaß, sie zu erkunden!
Derzeit wird von Buch zu Buch ein Trend hin zu dunkleren und bedrohlicheren Themen deutlich. Die Charaktere werden älter, entwickeln sich weiter und bleiben nicht in einem Stadium der ewigen Kindheit wie bei »Pippi Langstrumpf« oder »Peter Pan« stehen. Aber auch die Gefahren wachsen mit den Protagonisten, werden immer schrecklicher und furchteinflößender. So spiegeln zum Beispiel die »Dementoren« nach Meinung der Autorin Depressionen wieder. Ein Gefühl der Hilflosigkeit, auf das Erwachsene wesentlich heftiger reagieren als Kinder, da letztere solche Gefühle in diesem Ausmaß noch nicht erlebt haben. »Man kann nicht über Gut und Böse schreiben, indem man das Böse ausspart.« (...)
Peer Kröger
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